Mit „Mazeppa“ inszeniert Ivo van Hove seine erste Oper in Deutschland

Herausstechen aus der Masse

03.04.2013 09:25 aus unserer Berlin Redaktion

 

Eine Handlung voller außergewöhnlicher Menschen

 

Diese Komposition unterschiedlicher Charaktere findet in der Ukraine des beginnenden 18. Jahrhunderts statt. Maria ist die junge Tochter eines Gutsherren, doch liebt sie den erheblich älteren Hauptmann Mazeppa. Die Leidenschaft der beiden ist groß, dennoch verstößt sie gegen jede bekannte Norm und wird von der Gesellschaft nicht akzeptiert. Natürlich geben die beiden nicht auf und fliehen gemeinsam. Selbstverständlich lässt der Vater des Mädchens diesen Frevel nicht ungestraft und versucht sich an Mazeppa zu rächen, da er die „Entführung“ seiner Tochter als unglaubliche Demütigung empfindet. Daraufhin wandelt sich die einstmalige große Leidenschaft Mazeppas, die der Ursprung der Liebe zu Maria war, in eine grausame Unerbittlichkeit gegen ihren Vater. Das Mädchen muss mit ansehen, wie ihr Geliebter den eigenen Vater ermordet. Ihr wunderschöner Traum einer Liebe wandelt sich also schnell in einen Alptraum, an dem Maria zerbrechen muss. Diese Tragödie verschlingt erst ihre Seele und am Ende auch die geistige Klarheit der Protagonistin.

 

Das Meiserstück Tschaikowskis

 

Wenn man den Titel der Oper hört, denkt man an ein sehr historisch angehauchtes Werk (Steine, die Geschichte schreiben, 05.07.2010), denn der Hauptmann ist ein ukrainischer Nationalheld und gleichzeitig eine wahrlich bedeutende geschichtliche Figur. Doch Tschaikowski macht diese Historie eher zur Rahmenhandlung, in der er seine Tragödie erzählt. Vor allem die strengen gesellschaftlichen Normen und das Aufbegehren gegen diese stehen im Vordergrund und die Folgen für ein außergewöhnliches Paar, das an der Härte der Menschen scheitert und zerbricht. Am Ende steht kein klassischer Liebestod in unendlicher und doch so erlösender Tragik, sondern die nackte und klare Verlorenheit. Da Schlussbild ist einzigartig in der gesamten Opernliteratur (Votre Faust) und zeigt eine absolut erschütternde Szene: Maria, die letztendlich von ihrem Geliebten verlassen wurde und dem Wahnsinn anheim gefallen ist, singt ihrem, einstmals abgewiesenen, toten Jugendfreund ein schlichtes Wiegenlied.

 

 

Der niederländische Regisseur und das russische Meisterwerk

 

Kontrastreiche Musik untermalt das Schauspiel: Holzbläser werden unterstützt von schlichten Chören des russischen Volkes und einfühlsamem Gesang. Dem gegenüber werden die strengen und ernsten Bläser und Schlagwerke gesetzt, die einen militärischen Klang besitzen, dazu gesellen sich aufbrausende und dramatische Gesangslinien. Tschaikowskis Musiksprache zeigt sich in diesem Stück auf eindrucksvolle und einzigartige Art (Neptunbrunnen).

Ivan van Hove legt vor allem Wert auf die Vermittlung der gesellschaftlichen Unbarmherzigkeit, mit der viele Charaktere gestraft werden, die hervorstechen und ihren eigenen Weg gehen wollen. Der Regisseur leitet die Toneegroep Amsterdam, welche das wichtigste niederländische Schauspielensemble ist. Bedeutsame Opernhäuser wie die Netherlands Opera, Die Vlaamse Opera oder das bekannte Théâtre de la Monnaie sind seine Arbeitsgebiete. Nun dürfen wir diese Größe mit „Mazeppa“ zum ersten Mal in Deutschland erleben (Endlich: Google Streetview für Berlin ist da, 18.11.2010).

 

Wenn Sie nicht vor einer guten Oper zurückschrecken, dann sollten Sie dieses Schauspiel auf keinen Fall verpassen: Am 05.04.2013 um 19:30h besucht diese Hommage an alle Andersdenkenden und Ausgestoßenen die Komische Oper Berlin. 

 

 

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