Dagmar Manzel singt Lieder des jüdischen Komponisten Werner Richard Heymann in einem Gedenkkonzert.

Ein musikalisches Denkmal gegen das Vergessen

11.04.2013 17:41 aus unserer Berlin Redaktion

 

Ein lang erhoffter Zusatztermin

 

Dagmar Manzel ist eine bekannte Figur im Bereich der geschichtlich-kulturellen Auftritte. Dank mehrerer Darbietungen wird sie sehr geschätzt und vom Publikum immer wieder gefeiert. Mit ihrem Programm eröffnete die Sängerin die jüdischen Kulturtage und erntete dafür frenetischen und langanhaltenden Applaus. Es folgten drei weitere Konzerte im Ensemble Berlins, alle belohnt mit absolut positiven Reaktionen und Standing Ovations. Nun endlich wurde er bestätigt: Es gibt einen zusätzlichen Termin, an dem die Sängerin bestaunt werden darf. Im Zentrum steht Richard Heymann, der mit seinen Chansons, Liedern und auch Schlagern zu den einflussreichsten und wichtigsten Musikern der Zwischenkriegszeit gehört. Dagmar Manzel sing dessen Lieder und belebt diese nicht ganz verlorene Kunst im Rahmen des Themenjahres „Zerstörte Vielfalt“ wieder.

 

In Gedenken an schwere Schicksale

 

Diesen Chansonabend erleben Sie mit Dagmar Manzel und Tal Balshai, welcher der musikalische Leiter ist. Eindringlich und emotional werden die Lieder (Hänsel und Gretel) des Künstlers wiedergegeben und dabei bekommt der Zuschauer einen Einblick in das Schaffen von Heymann. Außerdem liest Robert Gallinowski zwischen den unterschiedlichen Stücken einzelne Geschichten und Anekdoten aus dem Leben des Musikers. Die Liederwelt des bekannten Komponisten wird so auf ganz neue Art und Weise aufgearbeitet und präsentiert. Behutsam und doch entschlossen zugreifend, voller Energie und Kraft, aber doch von Zartheit bestimmt bekommen die Werke ein neues Gewand, dass den neuesten klangtechnischen Möglichkeiten entspricht. Es ist nicht bloß Gedenken an längst verstaubte Werke (Die deutsche Teilung bekommt ein Gesicht, 05.2010), sonder ein Wiedererwecken des verloren geglaubten. Damit soll das Konzert, welches 80 Jahre nach der erzwungenen Emigration Heymanns stattfindet, all diejenigen würdigen, die zwar die kulturelle Vielfalt der Stadt erweiterten, aber dennoch unter den Schatten der Vergangenheit zu leiden hatten.

 

Heymanns Lebenswerk und seine Geschichte

 

Wie viele andere große Künstler seiner Zeit geriet auch der Komponist schnell ins Visier der Regierung. Nachdem 1933 die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernommen hatten wurden systematisch diejenigen eingeschränkt und terrorisiert, die nicht der Weltanschauung der Nazis huldigten. Werner Richard Heymann wurde 1896 in Königsberg geboren und zog 1912 nach Berlin. Dort avancierte er schnell zu einer der bedeutendsten Erscheinungen der Musikszene (Franco Battiato, 03.2013) der Weimarer Republik. „Ein Freund, ein guter Freund“, „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“ und „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ sind heute fast jedem bekannt und bekamen im Laufe der Zeit fast schon Volksliedcharakter. Da der Komponist aber jüdischer Abstammung war, schob die nationalsozialistische Propaganda seinem kreativen Schaffen einen Riegel vor. 1933 kündigte ihn die UFA und kurz darauf, am 9. April, floh der Musiker aus Berlin und gelangte nach Paris und später sogar bis nach Hollywood. Nachdem der Krieg überstanden war und für ihn keine Gefahr mehr in Deutschland bestand, kehrte der Komponist 1951 hierher zurück, bis er 1961 verstarb.

 

Viele Schicksale dieser Zeit sehen ähnlich aus und niemand kann erahnen, welche kulturelle Blüten am endgültigen Aufblühen gehindert wurden. Jede kreative Szene erlitt durch das Wirken des Nationalsozialismus schwere Schläge und viele Menschen mussten schreckliche Schicksale erleiden. Dagmar Manzels Gedenkkonzert in der komischen Oper am 09.04.2013 um 19.30h erinnert an diese traurige Geschichte und sorgt auf emotionale Weise dafür, dass das Vergangene nicht in Vergessenheit gerät. (Die Lange Nacht der Museen 2013, 03.2013)

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