In Anna Jablonskajas Sprechtheater „Es gibt kein Ende“ wird die Sicht verschiedener Menschen und Gegenstände auf unsere Welt dargelegt.

Die Welt aus den Angeln heben

05.04.2013 20:33 aus unserer Berlin Redaktion

 

Die richtigen Fragen

 

„Die Welt enthält keine Fragen. Nur Antworten. Unsere Aufgabe ist es, zu jeder Antwort die richtige Frage zu finden“ Diese Aussage stammt aus dem Stück und charakterisiert die Art der Szenen, auf die sich Besucher freuen dürfen. Verschiedenste Gegenstände, Menschen und Naturereignisse werden auf die Bühne gerufen und beschreiben ihre Sicht auf diese Welt, während sie nach den passenden Fragen suchen. 15 verschiedene Szenen werden dargelegt und vor dem Publikum ausgebreitet, dabei rücken Begegnungen, Beobachtungen und verschiedene Dialoge ins Zentrum, wie man es noch nie erlebt hat. Sowohl aus Gegenwart, als auch der Vergangenheit oder gar der rein virtuellen Welt rekrutiert Jablonskaja ihre Charaktere. Dabei entsteht ein eindrucksvolles und wahrlich einmaliges Theaterstück mit unterschiedlichsten Einflüssen. Leichte Anlehnungen an Brodsky, Zwetajewa oder Goethe verbinden sich mit dem eigenwilligen Stil der Autorin und werden in die aktuelle literarische Welt Europas (Leseratten aufgepasst! 27.12.2010) übertragen. Damit schafft Anna Jablonskaja eine würdige Fortsetzung für die russische Tradition des avantgardistischen Theaters.

 

Ein Puzzle aus Geschichten und Personen

 

Eine solche Vielfalt an unterschiedlichsten Protagonisten durfte man selten in einem Theaterstück erleben. Ein Erfinder trifft auf Menschen mit bunten Haaren, bekannte Dichter geben sich die Klinken in die Hand, Goethe lernt seine eigene Figur Werther kennen, das sind noch die normaleren der Auseinandersetzungen in diesem einmaligen Kunstwerk . Wenn plötzlich sowohl die Gesichtsmuskeln als auch einige egozentrische Vulkane in die Handlung eingeflochten werden, dann ist der Zuschauer ganz und gar von Jablonskajas Stück gefesselt.

Denn sobald ein Mensch mit vom Leben ergrauten Haaren anfängt, seinen Arbeitsalltag als Verlieren von Zeit zu erklären, ein Mädchen seine Sucht nach der Fahrt mit Kleinbussen gesteht und die Vulkane Vesuv und Ararat über die Qualität ihrer ausgespienen Asche diskutieren, dann ist unser Weltbild in bedrohlicher Gefahr. Dieses bunte Spektakel der Charaktere (Die alljährliche Zeitreise 03.2013) lässt sämtliche bekannten Gesetze nichtig werden und setzt Dinge und Personen in Verbindung, die noch nie in Zusammenhang betrachtet wurden. Bei dieser Reise ins Ungewisse bremsen weder traditionelle Weltanschauungen noch Kleinigkeiten wie die gewohnten Grenzen von Raum und Zeit.

 

Theaterdiscounter Berlin

 

Die Umsetzung dieses einmaligen Theatererlebnisses (Die gelbe Tapete) liegt in der Hand der Besetzung des Theaterdiscounters Berlin. Diese besteht aus einer Gruppe von unterschiedlichen unabhängig arbeitenden Theaterschaffender. Dabei ist der absolut offensive Umgang mit den teilweise prekären Bedingungen der Produktion von Theaterstücken in der Freien Szene obligatorisch. Das Unabgeschlossene und dessen Prozesse und Möglichkeiten Rücken in den Vordergrund und werden intensiv behandelt. Mit den charakteristischen Merkmalen des Antiillusionismus und der Direktheit werden unterschiedliche Stücke aus verschiedenen Themenkreisen aufgegriffen und präsentiert. Bis vor kurzem lag der Schwerpunkt klar auf zeitgenössischer und experimenteller Dramatik, doch nun erweitert sich das Repertoire auch um die eher klassischen Stücke. Seit 2003 schafft und waltet das Team in Räumlichkeiten am bekannten gesellschaftlichen Zentrum des Alexanderplatzes (Alexanderplatz).

 

„Wir denken, dass wir mit der Geburt einen Namen erhalten. Aber das stimmt gar nicht.. Wir bekommen ein Pseudonym, aber den Namen erfahren wir nicht.“

Erleben Sie „Es gibt kein Ende“ am 12.04.2013 um 20.00h im Theaterdiscounter Berlin in seiner ganzen Vielfalt mit allen Facetten und Schattierungen. Philosophisch, tiefgründig und gleichzeitig sinnlos-verspielt nimmt das Stück unser Weltbild mit spielerischer Leichtigkeit auseinander.

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